Karte BG ErH

Geschichte der Baugenossenschaft

Unser blaues Wunder
Am 3. Oktober 1948 fand die Gründungsversammlung der Baugenossenschaft unter der Schirmherrschaft des Landratsamtes statt. 450 Interessenten aus fast allen Gemeinden des Landkreises erschienen in der Erlanger Loschgeschule. Der damalige Landrat Willi Hönekopp war maßgeblich an den vorausgehenden Planungen beteiligt. Er war es auch, der in der Gründungsversammlung die wirtschaftlichen und psychologischen Notwendigkeiten für den Bau von neuen Wohnungen unter den damaligen Bedingungen nach Kriegsende erläuterte:

Durch den verlorenen Krieg und den dadurch bedingten wirtschaftlichen Zusammenbruch kam über uns eine harte und schwere Zeit. Wir erlitten eine Lebensmittelverknappung von nie gekannten Ausmaßen, ... wir erlebten überhaupt auf dem Gebiet jeglicher Bedürfnisbefriedigung unser blaues Wunder. Nach der Währungsreform haben sich auf diesen Gebieten einige Erleichterungen ergeben, doch unsere größte Sorge, die Wohnungsnot die in der letzten Zeit katastrophale, beängstigende und besorgniserregende Formen angenommen hat, ist die gleiche geblieben.

Die Ursachen dieser katastrophalen Wohnungsnot sind bekannt. Sie liegen in der jahrelangen Drosselung des Baumarktes, in der durch den Krieg erfolgten Ausbombung, durch die Einsiedelung der Evakuierten und Flüchtlinge, und vor allem in der Neugründung junger Familien ...

Verpfändetes Eigentum

Von 1948-1973 entwickelte die Baugenossenschaft eine rege Bautätigkeit in allen Gemeinden des Landkreises. Zunächst wurden nur Zwei-Zimmerwohnungen bei zwei Vollgeschossen mit ausgebautem Dachgeschoß errichtet. Im Laufe der Jahre wurden die Wohnungen größer und besser ausgestattet. Zu Ende 1950 waren es 90 Wohnungen, 10 Jahre später 478 und zu Ende 1970 bereits 748.

1975 erfolgte eine Satzungsänderung durch die Generalversammlung. Die Genossenschaft führte seitdem den Namen "Gemeinnützige Baugenossenschaft des Landkreises Erlangen-Höchstadt eG" mit Sitz in Heroldsberg.

Die Baugenossenschaft mußte dabei auch harte Zeiten überstehen. In den fünfziger Jahren rettete sie der damalige Aufsichtsratsvorsitzende, Gewerkschafter und Kreisrat Michael Ritzer, indem er sein Eigentum verpfändete und der Baugenossenschaft damit den notwendigen finanziellen Spielraum erhielt. Wegen seines über Jahre wirkenden Engagements trägt die Geschäftsstelle seit 1984 den Namen "Michael-Ritzer-Haus".

Der erste Spatenstich

Von Beginn an waren es zwei Prinzipien, von dem sich die Väter der Baugenossenschaft leiten ließen:
- das Prinzip der Gemeinnützigkeit, denn nur auf dieser Basis erschien es machbar Wohnungen zu bauen, die für eine Miete von 30 bis 35 Mark vergeben werden konnten.
- das Prinzip der Genossenschaft, um ein entsprechendes Grundkapital für den Bau solcher Wohnungen zu erreichen.

Bereits im Verlauf dieser Gründungsversammlung erklärten 189 Personen ihre Mitgliedschaft. Es erfolgte die Wahl des Aufsichtsrates, sowie des Vorstandes. Eine erste Satzung trat in Kraft. Die Genossenschaft führte zunächst den Namen "Gemeinnützige Baugenossenschaft Wohnungsbau und Siedlungswerk des Landkreises Erlangen".

Ein Geschäftsanteil betrug 300,- Mark und entsprach zwei bis drei Monatseinkommen.
Von Beginn an wurde dieser Gedanke auch von den Gemeinden unterstützt, die Anteile an der Genossenschaft zeichneten und Gründstücke für den Bau der Häuser zur Verfügung stellten. Der Bereich des Alt-Landkreises Erlangen umfaßte dabei die Gemeinden Forth, Stadt Baiersdorf, Möhrendorf, Eltersdorf , Frauenaurach, Buckenhof, Kriegenbrunn, Heroldsberg und Brand.

Der erste Spatenstich erfolgte im Oktober 1948 in Forth. 15 Sechsfamilienhäuser in verschiedenen Gemeinden umfaßte der erste Bauabschnitt. Die Gründungsväter hatten damit alle ihre Ziele verwirklicht.

Aufbauphase II (bis 1983/84)

Der Wohnungsbestand wurde bis 1983/84 dann nochmals geringfügig auf 811 Wohnungen aufgestockt. Instandsetzungen und Modernisierungen wurden in den siebziger und achtziger Jahren nur in Einzelfällen vorgenommen.

Bezahlbarer, attraktiver Wohnraum

Eine 1992 vorgenommene Bestandsanalyse zeigte deutlich, daß neue Anstrengungen erforderlich sind, um den Wohnbestand der Baugenossenschaft ERH auf die sich wandelnden Lebensbedingungen und Ansprüche von Mietern anzupassen. Ein Großteil der Wohnungen war veraltet, mehr als 600 wurden mit Einzelöfen befeuert, und die Sanitärausstattung ließ oft zu wünschen übrig. Auch die Außenfassaden entsprachen nicht mehr modernen Ansprüchen an Aussehen und Wärmedämmung.

Bei Aus- oder Umzügen werden die Wohnungen seitdem von Grund auf modernisiert. Die Wohnungen werden auf Gas-Etagenheizung umgestellt, neue Böden werden verlegt, neue Türen eingebaut, und zeitgemäße Bäder installiert. Neue Mieter der Baugenossenschaft ERH können somit in praktisch neue Wohnungen einziehen.

Nach und nach werden auch die Außenfassaden der Häuser von Grund auf saniert und modernisiert. Hierzu gehört insbesondere eine durchgängige Wärmedämmung, einschließlich des Ausbaus neuer Fenster, sowie die Anbringung von Balkonen. Eine gewaltige Aufgabe, die die Baugenossenschaft ERH noch auf viele Jahre beanspruchen wird.

Damit wird sichergestellt, daß die Baugenossenschaft ERH auch in Zukunft ihrer Aufgabe gerecht wird:
Bezahlbaren und attraktiven Wohnraum für ihre Mitglieder zur Verfügung zu stellen.

mehr als fair